Gedankenquerbeet
Vor 2 Jahren

Wie die Vernetzung uns trennte

Wir leben in einer vernetzten Welt. Erschwingliche Geräte für klein und groß, mit den verschiedensten Möglichkeiten um mit Menschen aus aller Welt Kontakt aufzunehmen oder aufrecht zu erhalten. Es gibt kaum mehr ein Gerät, welches nicht ein Teil dieses großen Netzwerks ist und somit auch so gut wie keinen Menschen, der nicht mit uns technisch verbunden ist.


Was ist daran positiv?

Wir können mit unseren geliebten über entfernte Orte hinweg kommunizieren.
Wir haben, bei einigen Kommunikationsarten, Zeit zum Nachdenken.
Wir sind überall und immer erreichbar.
Wir fühlen uns weniger einsam und alleine.


Doch ist das alles wirklich wahr?

Aus meinem Leben

Ich bin ein Mensch der gerne einfach mal spazieren geht um Erlebnisse zu verarbeiten, nachzudenken und frische Luft einzuatmen.


Natürlich beobachtet man dabei auch seine Umgebung und bemerkt irgendwann die tendenziell steigende Verwendung von Mobilgeräten in der Öffentlichkeit. In den letzten Jahren, sind so viele neue Mobilgeräte auf den Markt gekommen, dass man schon von einer Überflutung reden könnte. Es gibt fast kaum mehr einen Jugendlichen, der keines besitzt. Oft sehe ich wie sich Personen an Orten niederlassen und nach kürzester Zeit ihr Smartphone auspacken. Aber auch in Gruppen, zu zweit, zu dritt oder mehr, in Kaffees, Bars, Restaurants in Gesprächen und außerhalb von Gesprächen, beim Auto oder Fahrrad fahren und auch beim Laufen wird andauernd auf das Handy geguckt oder sogar eine Nachricht verfasst.

Eigentlich bin ich kein Mensch, den so etwas großartig interessiert. Jeder soll machen was ihn glücklich macht und sein Leben leben wie er es für richtig hält, solange er niemand anderen dabei schadet. Aber diese Angelegenheit hat einen Grad erreicht, wo eben genau das der Fall ist.

Auf das offensichtlich Fatale, wie das verwenden des Smartphones bei der Fortbewegung, muss ich sicherlich nicht weiter eingehen. Unzählige Unfälle die meist tödlich enden, entstehen genau aus diesem Grund.

Gespräche führen

Immer öfters sitze ich mit Menschen, mit denen ich mich eigentlich perfekt verstehe an einen Tisch und trinke meinen Kaffee. Früher hat man mit diesen Menschen gemeinsam die Stille genossen, wenn es nichts zu erzählen gab, man hat seine Umgebung betrachtet und vielleicht neue Kontakte geknüpft.


Heute sind mit vielen Menschen keine Gespräche mehr möglich. Herrscht Stille, kann man diese nicht brechen, da beispielsweise Textnachrichten verfasst werden. Und oft wird diese Stille als Argument für das sitzen am Mobilgerät verwendet. Findet ein Gespräch statt, ist dann oft eine einfache (meist irrelevante) Nachricht Grund für das pausieren oder abbrechen des Gesprächs.

Ich habe mein halbes Leben, vielleicht sogar meine ganze Jugend mit dem erlernen von Programmiersprachen und dem Spielen von Computerspielen verbracht, habe andauernd mit Menschen aus aller Welt geschrieben und kommuniziert. War in Foren unterwegs und habe unzählige Beiträge verfasst. Ich war sehr lange in dieser vernetzten Welt, mein halbes Leben, jeden Tag unzählige Stunden. Aber wenn ich draußen war, war ich mit der Realität und meiner Umgebung vernetzt, nicht mit meinem Handy.

Die Jugend

Jeder kennt diese Sätze, die mit "Als ich in deinem Alter war, ..." anfangen.

"Als ich in deinem Alter war, sind wir noch auf Bäumen geklettert."
"Als ich in deinem Alter war, hab ich noch mit Spielzeugen gespielt."
"Als ich in deinem Alter war, hab ich mich noch mit Freunden getroffen."


Heute kann ich bestätigen, dass an diesen Sätzen mehr dran ist, als dran sein sollte. Jugendliche aber auch Kinder in sehr jungem Alter besitzen heutzutage meist mehrere mobile Geräte, welche Internetfähig sind. Smartphones, Tablets und Spielekonsolen. Sie besitzen und pflegen viele Internetkontakte, die sie noch nie gesehen haben. Gerade aber im jungen Alter ist eine gesunde soziale Entwicklung essentiell und diese kann nicht ausschließlich durch das kommunizieren mit reinen Internetkontakten entstehen.

Konfliktbewältigung über den Chat

Aufgrund der Einfachheit werden heutzutage viele Probleme und Streitereien über einen Textchat gelöst. Es wird eine Nachricht verfasst, abgesendet und je nachdem worum es geht, folgt eine kurze oder lange Diskussion über den Chat. Oft, gerade bei emotionalem Streit, ist das allerdings ein sehr schlechter Weg um das aufgekommene Problem zu lösen. In einem Chat fehlen nämlich unzählige Dinge. Mimik, Gestik, Betonung, Lautstärke, Redensart, eine natürlichere Wortwahl und Ausstrahlung existieren nicht in einem Textchat. Oft werden unzählige Dinge über einen Chat fehlinterpretiert. Und anstatt ein Missverständnis aus der Welt zu schaffen, wird eines nach dem anderen erzeugt.


Wir stellen uns unseren sozialen Problemen somit nur noch persönlich, wenn es wirklich absolut sein muss. Unzählig geknüpfte lange und weniger lange Bekanntschaften, Freundschaften und Liebschaften werden auf diesem Weg in kürzester Zeit verworfen.

Die Spirale der Einsamkeit

In meinem alten Bekanntenkreis gab es viele Menschen, die versucht haben sich aus ihrer Einsamkeit zu befreien und neue Menschen über Internetplattformen kennenzulernen. Dating Plattformen wie Tinder, Badoo und co. aber auch Plattformen zum Sprachaustausch waren die erste Wahl.


Einige Zeit später hab ich Geschichten von gescheiterten sowie erfolgreichen Treffen erzählt bekommen. Viele dieser Bekannten, verwenden diese Plattformen bis zum heutigen Tag und leiden immer noch an Einsamkeit, weil die gewonnen Bekanntschaften meist oberflächlich sind und nicht lange halten (Ausnahmen bestätigen die Regel). Natürlich ist Einsamkeit kein einfaches Thema, weil Einsamkeit oft nichts mit der Anzahl an Freunden zu tun hat oder mit wie vielen Menschen man aktiv unterwegs ist. Das Gefühl von Einsamkeit ist komplexer. Auch in einem Raum voller Freunde kann Einsamkeit hochkommen. Allerdings haben meine Bekannten mit den Online Plattformen sich in eine Spirale begeben. Sie lernen neue Menschen nur noch über diese Plattformen kennen. Oft sehen sie diese Menschen Monate nicht und sind trotzdem in aktivem Kontakt. Die Personen, welche in ihrem nahen Umfeld sind, werden vernachlässigt. Die falschen Kontakte werden über priorisiert und die Einsamkeit bleibt existent. Selbstzweifel und eventuelle Depressionen folgen. Über einen Chat kann man nämlich nicht sicher sein, ob man die selbe Wellenlänge teilt. Und nach Tage oder Wochen langem hin und her schreiben, folgt dann oft die plötzliche Überraschung beim ersten Treffen. Es passt nicht.


Und genau diese Vernetzung und diese Plattformen, die ursprünglich dafür sorgen wollten Menschen aus aller Welt zu verbinden, sorgen dafür das wir komplett verlernt haben, in der Realität Kontakte zu knüpfen und aufrecht zu erhalten. Und das ist nun mal wesentlich wichtiger für unser eigenes Glück. Trotzdem bleibt zu sagen, dass jede Medaille zwei Seiten besitzt. Natürlich hat die Kommunikation über das Internet viele Vorteile sowie viele schöne und auch spannende Seiten. Es sollte nur wie bei vielem die Waage zwischen beiden Welten gehalten werden.

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Kommentare
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Wieso uns das Internet einsam machen kann